3.2.3 Lehrinhalte auf der Mikroebene [WAS; WANN; WARUM]

Die Lehrinhalte sind im Lehrplan nur stichpunktartig aufgeführt. Auf Basis der Kompetenzbeschreibungen werden in einer sogenannten Sachanalyse das für eine kompetente berufliche Handlung benötigte Wissen und Können erschlossen und einer Sachstruktur dokumentiert.

Sachanalyse und -struktur des Lehrinhaltes

Die Sachstruktur ist eine fachwissenschaftliche bzw. fachsystemische Zusammenstellung des Wissensgefüges oder der Sachzusammenhänge. Die systematische Darstellung erlaubt einen schnellen und nachvollziehbaren Überblick über die allgemeine Sachstruktur zum Unterrichtsthema, wodurch sich auch in folgenden Schuljahren Lehrinhalte rasch rekapitulieren oder nacharbeiten lassen. Mit der Dokumentation des Wissensgefüges werden Themenkomplexe identifiziert und sinnvolle Schnittstellen definiert – dies hat sich bei Themen, die sich über mehrere Lernfelder erstrecken, als sinnvoll erwiesen.

Die Sachstruktur gibt nicht die Struktur des Unterrichts wieder.

Auswahl der Lehrinhalte

Auf der Sachstruktur, im Abgleich mit einem typischen Arbeitsprozess, werden die Lehrinhalte ausgewählt. Diese werden unter dem Aspekt der intendierten Ziele und der Notwendigkeit für eine berufliche Kompetenz sowie der Viabilität der Lernenden (kompatibel zum adressatenimmanenten Wissenskonstrukt) eruiert und festgelegt.

Bei er Ermittlung von Inhalten für den Unterricht können auch die sogenannten „fünf Fragen von Klafik“ handlungsleitend sein.

Die fünf Fragen nach Klafki

Klafki hat Mitte des letzten Jahrhunderts den Bildungsbegriff theoretisch umfassend rekonstruiert und für die Analyse von Unterrichtsinhalten ausgelegt. Damit hat er die Bildungstheoretische Didaktik (Theoretischer Exkurs siehe Anhang) fundiert und ein bis heute gültiges Modell der Didaktik kreiert. Demnach bildet sich der Mensch, indem er sich (im Unterricht) die kulturelle Wirklichkeit kategorial erschließt.

Nach Klafki (Didaktische Analyse – Zweiter Teil) sind für den Unterrichtsprozess solche Inhalte auszuwählen, die bildungswirksam sind und so zu strukturieren sind, dass sie zu einem selbstbestimmten und vernunftgeleiteten Leben beitragen.

FrageAusführung 
Gegenwartsbedeutung  Welche Bedeutung hat der betreffende Inhalt bereits im geistigen Leben der Zielgruppe bzw. welche Bedeutung sollte er unter pädagogischem Blickwinkel darin haben?Bezogen auf Inhalt
ZukunftsbedeutungWorin liegt die Bedeutung des Themas für die Zukunft der Zielgruppe?
Exemplarische Bedeutung  Welchen allgemeinen Sachverhalt, welches allgemeine Problem erschließt der betreffende Inhalt?
-> Typische Kernarbeitsprozesse
 
Struktur des Inhalts  Welche Struktur hat der Inhalt im Unterricht? -> i. d. R. entlang einer beruflichen HandlungBezogen auf  Inhalts- bzw. Unterrichts­struktur
 
Zugänglichkeit  Welches sind die besonderen Fälle, Phänomene, Situationen, an denen der Inhalt interessant und begreiflich veranschaulich werden kann?Vzw. bezogen auf Medien

Zur Bestimmung von Unterrichtsinhalten und deren Strukturierung können heute noch für eine didaktische Analyse die sogenannten 5 Klafki‘schen Fragen herangezogen werden:

Themenfindung

In der beruflichen Bildung sind die Fragen nach der exemplarischen Bedeutung, die Zugänglichkeit und die Bedeutung für eine berufliche Handlungsfähigkeit leitend für die Auswahl der Lehrinhalte. Kenntnisse zur typischen beruflichen Kernarbeitsprozessen sind daher hilfreich bei der Wahl der Themen, Lehrzielen und -inhalten.

Querverweis

Berufspädagogik
Klafki: Didaktische Analyse

Muss-Kann-Soll-Analyse

Bei der Auswahl der Lehrinhalte kann auch die Muss-Kann-Soll-Analyse helfen. Hierbei werden die Inhalte, basierend auf der Sachanalyse nach ihrer Relevanz für die berufliche Handlungsfertigkeit, eingeordnet.

  • Muss: Inhalte, die für eine Handlungsfertigkeit gebraucht werden.
  • Soll: Inhalte, die z. B. in Bezug auf den Bildungsauftrag interessant wären, aber die ggf. auch weggelassen werden können.
  • Kann: Inhalte und Fachwissen, die bei Bedarf eingestreut werden können.

3.2.3.1. Didaktische Reduktion